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NON DUBITO · Filmessays

Die Kinder des Monsieur Mathieu: drei Lesarten

Han Qin (秦汉) · Deutsche Ausgabe: 7. Oktober 2026

Eigenständige deutsche Fassung nach dem chinesischen Original

Drei Essays führen von einer Schule, die Kinder vor allem durch Strafe wahrnimmt, zu den kleinen Handlungen, mit denen Clément Mathieu einzelnen Stimmen einen Platz schafft. Und zu Papierfliegern, die bereits eine Antwort sind, lange bevor irgendein späterer Erfolg eintritt.

Die Kinder des Monsieur Mathieu bleibt oft als warme Geschichte in Erinnerung: Die Musik kommt, und eine Gruppe schwieriger Jungen wird gerettet. Doch der Aufbau des Films spendet weit weniger Trost. Mondain wird zu Unrecht beschuldigt und setzt später die Schule in Brand. Mathieu kann nicht jeden schützen. Seine Arbeit bleibt auch institutionell nicht ohne Folgen, denn mehrere Kollegen decken schließlich die Misshandlungen des Schulleiters auf. Nur verspricht der Film nirgends, ein einziger Chor könne die ganze Schule wieder in Ordnung bringen.

Die drei Essays beginnen bei „Aktion – Reaktion“, folgen den begrenzten und keineswegs vollkommenen Handlungen eines rangniedrigen Schulaufsehers und enden bei einem Abschied in verschiedenen Handschriften. Sie fragen: Was wird aus Erziehung, wenn sie Schuld schon voraussetzt? Wie kann ein Lehrer Plätze schaffen, die niemanden ausschließen, noch ehe eine Reform beginnt? Und warum darf Pierre Morhanges späterer Ruhm nicht als Maßstab für den Wert dessen dienen, was jedes der anderen Kinder erlebt hat?

I. Eine Schulordnung aus zwei Wörtern

Rachins Regel erzeugt sofortigen Gehorsam, indem sie jedes Kind schon im Voraus zum Verdächtigen macht. An Mondain zeigt sich, was eine Institution als Tatsache festschreibt, sobald die Kategorie stärker wird als die Beweise.

II. Alles, was er tut, ist klein

Mathieu kann die Schule nicht umbauen. Aber er kann eine Kollektivstrafe aufheben, aus einer Strafe eine Verpflichtung zur Pflege machen und einem Jungen, der nicht singen kann, dennoch einen Platz im Chor schaffen.

III. Als er geht, glaubt er, nichts hinterlassen zu haben

Bonifaces Handschrift, Pépinots Rechtschreibfehler und Morhanges Noten haben Mathieu längst geantwortet, bevor das Konservatorium, der berühmte Dirigent und das sogenannte Vermächtnis ins Bild treten.

Quelle: Reihenübersicht des Originals