Eltern kennen Gewohnheiten, Ängste und Wiederholungen seit früher Kindheit. Sie erinnern Ereignisse, die das Kind vergessen hat. Dieses Wissen kann in einem verwirrenden Moment helfen.
Beobachtetes Verhalten ist aber nicht die ganze innere Erfahrung. „Du bist nur eifersüchtig“, „Du machst das immer“ erklärt einen Menschen fertig, bevor er eigene Worte suchen kann.
Auch elterliche Erinnerung wählt aus. Sie schützt womöglich ein altes Bild und übersieht echte Veränderung. Lange Bekanntschaft ist kein direkter Zugang zur Gegenwart des anderen.
Besser klingt eine Hypothese: „Beim letzten Mal hast du geschwiegen, als du Angst hattest. Ist es diesmal ähnlich?“ Geschichte wird Prüfmaterial statt Identität.
Ein Kind gut zu kennen sollte seine Fähigkeit zur Selbstdeutung stärken. Eltern verwahren Erinnerungen; Bewohner des inneren Lebens bleibt das Kind selbst.