Wie Bewusstsein auseinandertritt
Kein einzelner Lichtschalter
Ein Schlafwandler kann gehen, ohne sein Tun ganz zu wissen. Im Klartraum erkennt jemand den Traum, erreicht aber den schlafenden Körper nicht. Bei einer Schlafparalyse wird das Zimmer wahrgenommen und zugleich von Gestalten bevölkert, die nicht dort sind. Solche Erfahrungen sprechen dafür, Bewusstsein als Zusammenspiel mehrerer Leistungen zu betrachten: Körperreaktion, Wahrnehmung, Gedächtnis, Vorhersage, Selbstgewahrsein und das Festhalten eines Zwecks.
Koordinaten, keine Neuroanatomie
SAE ordnet diese Leistungen versuchsweise zwischen 9DD und 14DD an. Das Modell macht verschiedene Kombinationen vergleichbar, ersetzt aber weder Schlafmedizin noch Hirnforschung. Einschlafen und Erwachen können schrittweise und asynchron verlaufen; Narkose liefert einen weiteren Kontrast. Wichtig bleibt die Trennung zwischen beobachteten Befunden und Folgerungen aus dem Modell. Eine gute Theorie muss Vorhersagen wagen, an denen sie auch scheitern könnte.
Erklären heißt nicht verfügen
Wer Bewusstsein zerlegen kann, darf einen Menschen deshalb nicht wie ein Schaltpult behandeln. Schlafentzug, Substanzen oder Reize können die Lage verändern, aus der jemand urteilt; gerade deshalb braucht solches Wissen Grenzen. Der Sinn der Analyse liegt nicht darin, Personen leichter steuerbar zu machen. Sie soll sichtbar machen, wie viele empfindliche Bedingungen zusammenkommen müssen, damit jemand überhaupt in eigenem Namen antworten kann.