Non Dubito
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NON DUBITO · Malerei · Westliche Malerei

Gauguins Der große Baum

Rosa Dach, dunkelgrüne Krone, Türkis am Boden. Die Farben laden zum Verweilen ein; die Menschen hier verstehen wir deshalb noch nicht.

In diesem Essay

Betrachten wir zunächst die aneinandergrenzenden Farben. Oben liegt ein dichtes Grün, quer durch die Mitte zieht sich ein breites Rosa, darunter ein helles Blaugrau. Zu unseren Füßen gibt der dunkelbraune Boden unvermittelt einen leuchtend türkisgrünen Streifen frei. Bäume, Haus und Hof sind schnell erkannt. Doch noch bevor wir alles benannt haben, weisen die Farben dem Blick einen Weg: unter das dunkle Grün, durch den helleren Raum vor dem Haus und an der geschwungenen Bodenkante entlang zurück nach vorn.

Aus diesen Farbnachbarschaften entsteht die Kühle des Schattens.

Gauguins Der große Baum in der Gesamtansicht. Links verzweigt sich ein kräftiger blaugrauer Stamm unter einer grünen Krone, die einen Teil des rosa Dachs verdeckt. Sitzende und stehende Figuren verteilen sich im Hof; am unteren Rand treffen Türkisgrün und Ockerorange aufeinander.
Abbildung 1. Paul Gauguin, Der große Baum, englischer Museumstitel The Large Tree, Bildinschrift Te raau rahi, 1891. Öl auf Leinwand, 74 × 92,8 cm. Cleveland Museum of Art, Gift of Barbara Ginn Griesinger, Inventarnummer 1975.263. Bild: Cleveland Museum of Art, CC0. SammlungseintragBilder auf der Werkseite des Museums ansehen ↗

Die hier vorgeschlagene Lesart lautet: Gauguin verwandelt einen erkennbaren Hof zugleich in ein Gefüge von Farbflächen mit eigenem Rhythmus. Die breite Krone, das waagerechte Haus, die schrägen Äste und die Abstände zwischen den Menschen lassen einen Ort entstehen, an dem man sich aufhalten möchte. Diese Überzeugungskraft beruht auf der Bildgestaltung. Daraus auf die Friedlichkeit des dargestellten Lebens zu schließen, verlangt ein weiteres Urteil.

Gauguin erreichte Tahiti erstmals 1891. Der große Baum gehört zu den frühen dort entstandenen Gemälden. Mit breiten Farbflächen und vereinfachten Konturen hatte er bereits in Europa gearbeitet. Bäume, Gebäude und Menschen eines konkreten Orts treffen hier also auf eine schon zuvor entwickelte Bildsprache. Das Museum in Cleveland hebt die friesartige Anordnung der Frauen im Vordergrund und den Gegensatz von Schatten und Sonne hervor. Beides lässt sich am Bild selbst überprüfen. Werkangaben

Wie die Baumkrone ein Haus überdeckt

Der große Baum steht links, doch seine Krone reicht bis in die Bildmitte. Er ist kein beiläufiges Gewächs in einer fernen Landschaft. Sein mächtiger blaugrauer Stamm erhebt sich ganz in unserer Nähe und gabelt sich nach mehreren Seiten. Ein schräger Ast führt den Blick zum Dach. Unten ist der Stamm besonders breit; an den Verzweigungen unterbrechen hellgraue Stellen seine dunkleren Seiten. Er besitzt genug körperliches Volumen, um die grüne Masse über sich zu tragen.

Es lohnt sich, die Zusammenfassung der Blätter genauer anzusehen. Links verschmelzen mehrere dunkelgrüne Partien fast miteinander. Zur Mitte hin tragen die ausgreifenden Äste hellere, rundliche Blattmassen. Schräg verlaufende Pinselspuren beleben sie, einzelne Blattspitzen werden jedoch selten beschrieben. Das Detail ordnet sich der Außenform einer ganzen Gruppe unter: Hier wölbt sich das Grün nach unten, dort lässt es eine Kerbe im sichtbaren Dach frei. So wirkt die Krone üppig und behauptet sich zugleich als einige große, klar begrenzte Formen im oberen Bildbereich.

Zwischen diesen Formen erscheint Rosa. Für sich betrachtet wirkt das Dach wie ein ruhiger, ausgebreiteter Farbgrund. Sobald wir die davorliegenden Zweige beachten, wird daraus wieder das Dach eines weiter entfernten Hauses. Sein Rosa ist nicht überall gleich: In der Nähe des Laubs wird es dunkler, kurze dunkle Striche säumen die untere Kante. Im Ganzen bleibt die Fläche dennoch zusammenhängend genug, um die verstreuten Grüntöne hervortreten zu lassen.

Ausschnitt mit dem verzweigten Stamm und den beiden sitzenden Figuren links. Rundliche grüne Blattmassen überdecken das rosa Dach; die Figuren sitzen nahe am Rand der dunklen Bodenfläche.
Abbildung 2. Ausschnitt aus der offiziellen Aufnahme. Dem blaugrauen Stamm nach oben folgen und anschließend entlang der unteren Kronenkante die sichtbaren Dachstücke suchen. Bild: Cleveland Museum of Art, CC0.Bilder auf der Werkseite des Museums ansehen ↗

Die Überdeckung leistet zweierlei. Sie stellt den Baum vor das Haus und lässt zugleich rosa Formen zwischen den Blättern entstehen. Landschaftlicher Raum und dekoratives Muster bilden sich an derselben Stelle. Dekorativ ist hier das sichtbare Zusammenspiel von Flächen, die sich berühren, wiederholen und ineinandergreifen. Wir können diesem Zusammenspiel mit Vergnügen folgen, ohne die räumliche Tiefe des Hofs zu verlieren.

Der dünnere Baum rechts organisiert das Grün anders. Seine Äste teilen sich über uns; einzelne Blattgruppen hängen mit deutlichen Zwischenräumen daran. Heller Himmel und rosa Dach bleiben zwischen ihnen sichtbar. Links bildet die Krone eine dichte Decke, rechts setzt das Laub unterschiedlich verteilte Zeichen auf einen hellen Grund. Der eine Baum erzeugt Schutz durch seine Masse, der andere belebt das Dach durch Abstände. Beide tragen die Komposition, ohne ein symmetrisches Paar zu bilden.

Die Abstände zwischen den Menschen

Die Hauswand erstreckt sich unter einer fast waagerechten Traufkante nach beiden Seiten. Ihre dicht gesetzten senkrechten Spuren unterscheiden sich in der Richtung von den schrägen Ästen. Nahe der Mitte öffnet sich eine dunkle Tür in der hellen Wand. Am Eingang sitzt eine kleinere Figur. Ihre Größe und die Wand, die sie umgibt, verbinden den beinahe flachen Hausstreifen wieder mit räumlicher Tiefe.

Die vier Frauen im Vordergrund bilden eine weitere waagerechte Folge. Zwei sitzen links dicht beieinander, die eine seitlich, die andere stärker uns zugewandt. Ihre weißen Kleidungsstücke treten aus der dunklen Umgebung hervor. Weiter rechts steht eine Frau in Rot; ihr Körper reicht vom Boden ungefähr bis zur Mitte der Hauswand. Noch weiter rechts sitzt eine Figur, die der schlanke Baumstamm teilweise verdeckt. Das helle Grau ihres Rückens schließt an die kühlen Farben von Baum und Wand an.

Diese Menschen sind keineswegs gleichmäßig verteilt. Zwischen den beiden linken Figuren drängen sich Stofffalten, Körper und dunkle Formen. Bis zur stehenden Frau öffnet sich dagegen ein breiter Hofabschnitt. Dort wächst eine Pflanze, deren spitze Blätter in mehrere Richtungen ausgreifen und der freien Fläche einen eigenen Mittelpunkt geben. Die Figuren stehen nicht wie austauschbare Einheiten in einer Bordüre. Nähe und Entfernung, Sitzen und Stehen gliedern den Weg des Blicks durch unterschiedlich lange Pausen.

Ausschnitt mit rosa Dach, kleiner Figur im Eingang, stehender Frau in Rot und rechtem Baumstamm. Dunkle Blattgruppen hängen vor dem Dach; die Figuren unterscheiden sich entsprechend ihrer räumlichen Lage in Größe und Höhe.
Abbildung 3. Ausschnitt aus der offiziellen Aufnahme. Die kleine Figur im Eingang mit der näheren stehenden Frau vergleichen und darauf achten, wie der Stamm die sitzende Figur rechts abgrenzt. Bild: Cleveland Museum of Art, CC0.Bilder auf der Werkseite des Museums ansehen ↗

Das rote Wickelgewand fällt sofort auf, obwohl seine Trägerin nicht in der Bildmitte steht. Im Stoff gibt es Helligkeitsunterschiede und nahe dem unteren Saum kleine Muster. Trotzdem bleibt er als lange, schmale rote Fläche lesbar. Er antwortet auf das viel größere rosa Dach: Dieses breitet sich seitwärts aus, das Gewand richtet sich auf. Das eine öffnet Raum, das andere sammelt den Blick an einem bestimmten Körper. Die unterschiedliche Farbstärke hält beide auf getrennten Ebenen.

Die stehende Frau wendet den Kopf nach links. Ihr Arm hängt am Körper herab, ein Fuß weist etwas nach außen. Sie verbindet die linke Sitzgruppe mit dem rechten Baum, ohne die ganze Szene durch eine dramatische Geste zu beherrschen. Auch laufen die Blicke der Figuren nicht an einem Punkt zusammen, um eine eindeutige Handlung zu erzählen. Aufschlussreicher ist ihre Stellung zwischen den Farben: Weiß tritt aus dem Dunkel, Rot durchschneidet hellen Boden, die rechte Sitzende rückt wieder an das Blaugrau des Stamms.

Eine friesartige Reihung bedeutet hier also nicht, dass alle Menschen flach werden. Die kleine Gestalt im Eingang, die größeren Körper vorn und die überdeckenden Stämme geben weiterhin Entfernungen an. Farbliche Wiederholungen führen die räumlich getrennten Figuren auf der Leinwand zusammen. Der Blick bewegt sich zugleich in den Hof hinein und seitwärts über die Bildfläche. Aus dieser doppelten Bewegung entsteht ein wesentlicher Teil der Lebendigkeit.

Was der türkisgrüne Boden bewirkt

In einem nach einem Baum benannten Gemälde könnte der Boden leicht als bloße Standfläche erscheinen. Schneidet man unten einen Streifen weg, fehlen jedoch nicht nur einige Stücke Erde. Verloren geht der entschiedenste Umschlag des gesamten Bilds.

Unter dem linken Baum liegt eine breite dunkelbraune Zone. Ihr Rand springt vor und weicht in mehreren Kurven zurück. Ein schmaler warmer Saum folgt ihm, unmittelbar daneben liegt leuchtendes Türkisgrün. Dieser Streifen zieht vom linken unteren Rand zur Mitte, wird an den Füßen der stehenden Frau schmaler und grenzt an eine größere ockerorange Fläche. Er folgt keinen regelmäßigen Fluchtlinien wie ein gefliester Boden. Kurven, Spitzen und Farbintensität bringen den Vordergrund unmittelbar zur Geltung.

Entlang dieser Grenze begegnet das Auge einer Folge von Veränderungen: einer breiten dunklen Bahn, einer dünnen warmen Linie, dem plötzlich hellen Türkisgrün und schließlich einem ausgedehnteren Orange. Der Unterschied zwischen Schatten und Sonne gewinnt dadurch spürbare Kraft. Auch ohne jede einzelne Stelle einem genauen Beleuchtungsmodell zuzuordnen, lässt sich der Übergang vom geschützten Dunkel ins Helle nachvollziehen.

Der Schatten ist dabei durchlässig. Hauttöne und weiße Kleidung öffnen ihn immer wieder, der blaugraue Stamm steigt aus ihm auf, die helle Nachbarfläche gibt ihm einen verfolgbaren Rand. Das Dunkel wirkt bewohnbar, weil es mit seiner Umgebung verbunden bleibt. Eine vollkommen unterschiedslose dunkle Masse würde den Eindruck eines schützenden Aufenthaltsorts weniger deutlich vermitteln.

Ganz unten verläuft noch ein gedämpfteres Grün. Kleine braune Formen und niedrige Blätter sind darin verteilt. Die hellere Bodenbahn fließt dadurch nicht einfach aus dem Bild hinaus. Rechts unten richtet eine Pflanze einige lange, helle Blätter auf. Ihre Bewegung antwortet auf die weiter oben hängenden Blattgruppen. Nachdem das Auge den Bodenkrümmungen gefolgt ist, findet es einen Weg zurück zur Baumkrone. Die aufgerichteten Blätter im unteren Bereich nehmen diese Wendung auf und verbinden den Boden mit den Blattgruppen darüber zu einem Weg hin und zurück.

Die Farbflächen sind zudem keineswegs glatt und gleichmäßig. Die offizielle Großaufnahme zeigt kurze Linien, wie gewischt wirkende Veränderungen und die Textur der Oberfläche. Die engen Senkrechten der Wand, die gebündelten schrägen Spuren im Laub und die verstreuteren Striche auf dem Boden besitzen jeweils eine eigene Richtung. Aus der Entfernung halten die großen Flächen zusammen; aus der Nähe bleibt es innerhalb ihrer Grenzen lebendig. Allein aus der sichtbaren Oberfläche lässt sich allerdings keine sichere Reihenfolge des Farbauftrags rekonstruieren. Risse und heutige Abnutzung werden hier nicht als von Gauguin beabsichtigte Effekte ausgelegt.

Eine gestaltete Kühle

Das Vergnügen an diesem Gemälde ist unmittelbar: dichtes Grün, weit ausgebreitetes Rosa, kräftige blaugraue Stämme und unten ein klarer türkisfarbener Akzent. Die starken Farben beanspruchen nicht alle denselben Platz. Laub füllt den oberen Bereich, das Haus zieht durch die Mitte, Menschen verbinden unterschiedliche Höhen, und darunter schwingt der Boden. Jeder Teil hat seine eigene Form und gewinnt zugleich Kraft aus der Nachbarschaft.

Diese Ordnung kann Ruhe vermitteln und die Kühle unter den Blättern vorstellbar machen. So angelegt wird der Hof zu einem Anblick, bei dem man verweilen möchte. Ordnen wir dieses Gefühl der Geborgenheit in Gauguins künstlerische Pläne bei seiner Reise nach Tahiti ein, werden auch seine Verbindungen zu europäischen Vorstellungen vom Leben in Übersee erkennbar.

Hier ist ein konkreter historischer Zusammenhang wichtig. Cindy Kang verweist in ihrem Beitrag für das Metropolitan Museum of Art auf die kolonialen Pavillons der Pariser Weltausstellung von 1889 als Einfluss auf Gauguins Erwartungen an ein Leben in Übersee. Sein Vorhaben auf Tahiti blieb zugleich mit seinen Ambitionen innerhalb der Pariser Avantgarde verbunden. Das fern von Europa vorgestellte Paradies war bereits durch europäische Blicke, Ausstellungen und künstlerische Konkurrenz geprägt. Dieser Zusammenhang muss nicht als ausdrückliches Zeichen im Bild erscheinen, um für dessen Bedeutung wichtig zu sein. Cindy Kang über Gauguin

Damit verändert sich unser Verständnis der Harmonie. Baum, Dach, weiße Kleidung und rotes Gewand dürfen weiter erfreuen. Zugleich erkennen wir ausgewählte, vereinfachte und geordnete Formen, aus denen ein europäischer Maler ein Tahiti für seine Betrachter gestaltet. Die dargestellten Menschen haben bestimmte Haltungen und Orte. Eine harmonische Farbgebung kann nicht für sie bezeugen, dass sie sorgenfrei lebten. Die Teilung des Dachs durch die Äste und die Bewegung, die die Farbbänder am Boden erzeugen, sind die konkreten Mittel, mit denen diese Harmonie entsteht.

Der große Baum lohnt das Verweilen wegen dieser doppelten Klarheit. Wir können benennen, wodurch Schutz und Schatten anziehend werden, und zugleich erkennen, von welcher Position aus uns diese Anziehung angeboten wird. Die dichte Krone verdeckt nicht alles. Rosa bleibt zwischen den Blättern sichtbar, freier Boden öffnet sich zwischen den Körpern, und mehrere Äste verändern immer wieder den Rhythmus der waagerechten Ruhe. Gauguin gestaltet einen Ort, an dem der Blick bleiben möchte. Seine malerische Kraft liegt in Beziehungen, die sich erneut prüfen lassen.

Optionale Lektüre Nähe und Abstand mit SAE betrachten

Die folgende Betrachtungsübung greift Han Qins SAE-Theorie, Self-as-an-End, als zeitgenössischen Ansatz auf. Sie belegt weder Gauguins Absichten noch das Innenleben der dargestellten Figuren.

Die im SAE-Grundlagentext beschriebene „Internalität des Kontexts“ versteht den Kontext als Bestandteil der Schönheit. Dieser Richtung folgend können wir das Gemälde in den Zusammenhang europäischer Blicke auf Tahiti stellen und erneut fragen: Der Schatten lädt zum Näherkommen ein. Werden uns die Menschen ebenso zugänglich? SAE-Grundlagentext, Abschnitt 3.2

Folgen wir zunächst dem Türkisgrün unten zu den beiden Sitzenden links. Ihre weiße Kleidung hebt die Körper aus dem Dunkel hervor; der mächtige Stamm nimmt eine Seite der Gruppe ein. Die Frauen sind unterschiedlich ausgerichtet, und von der stärker uns zugewandten sehen wir mehr vom Gesicht. Blicken wir dann auf die Stehende in Rot und die Sitzende rechts: Die eine dreht den Kopf zur Seite, die andere zeigt uns den Rücken und wird teilweise vom Stamm verdeckt. Die Farben verbinden die Körper zu einer lesbaren Reihe, doch Gesichter und Körper wenden sich nicht gemeinsam den Betrachtenden zu. Zwischen den Farbflächen bewegt sich das Auge leicht; bei der Annäherung an die Menschen hält es inne.

Beschreiben wir das Bild nun sowohl mit „zugänglich“ als auch mit „auf Abstand“ und suchen jeweils zwei sichtbare Anhaltspunkte. Für das erste Wort kommen die schützende Krone oder die weißen Kleider am dunklen Boden infrage. Für das zweite lassen sich der abgewandte Rücken, der Stamm vor der Sitzenden und die kleine Figur am Eingang jenseits des freien Hofs nennen. Fügen wir beide Gruppen von Beobachtungen ins Gesamtbild ein, zeigt sich: Was den Hof zum Verweilen des Blicks einlädt, lässt die Menschen unserem Blick zugleich nur teilweise zugänglich werden.

Der koloniale Kontext verleiht dabei einer bestimmten Frage Gewicht: Verwechseln wir beim Genuss dieses Hofbildes die malerisch erzeugte Nähe damit, die Menschen darin bereits zu verstehen? Die hier vorgeschlagene Lesart lautet: Die Farbe lässt den Ort einladend erscheinen; die Ausrichtung und Verdeckung der Figuren bewahren innerhalb dieser Nähe einen Abstand. Dieser Abstand lässt sich im Bild zeigen. Folgen wir beim nächsten Blick sowohl der Einladung der Farben als auch der Distanz der Körper und prüfen, wie beides zusammenwirkt.

Bilder und Quellen

Die Bildbetrachtung beruht auf der offiziellen JPEG-Datei des Cleveland Museum of Art mit 3400 × 2695 Pixeln. Die Gesamtaufnahme bleibt unverändert. Die beiden Details sind reine Ausschnitte; Originalpixel, Auflösung und eingebettetes ICC-Profil bleiben erhalten. Es wurden keine Farben verändert, Schärfungen vorgenommen, Bereiche rekonstruiert oder Inhalte generiert. Die Bildschirmansicht unterscheidet sich weiterhin von der Betrachtung des Originals.

Die Bilder werden gemäß der CC0-Open-Access-Regelung des Museums bereitgestellt. Der Text ist eine unabhängige Interpretation und spricht nicht im Namen des Museums. Historische und theoretische Quellen sind im Text verlinkt und in den Literaturhinweisen erfasst; Bildherkunft, Ausschnittkoordinaten und Prüfangaben stehen im Bildnachweis.

Quellen · 中文 / English

参考资料 / References

核验日期 / Checked: 2026-10-15

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The essays are primarily independent visual readings of the museum image. The sources below have distinct roles: object facts, historical context, contemporary theory and image licensing. General biography and studies of other paintings are not presented as technical findings about this work.

作品 / The painting

1. Cleveland Museum of Art. The Large Tree, 1891, accession 1975.263.
- Artist, title, date, medium, unframed dimensions, credit line and inscriptions; also the museum’s account of the foreground sequence and shade/sunlight contrast.
- 画家、题名、年代、媒材、未装框尺寸、收藏信息、题字;馆方关于前景横列与阴凉/日晒对照的说明。
- The catalogue identifies four women in the foreground. The doorway contains an additional smaller figure visible in the image; the essays do not describe the entire painting as containing only four people.
- 馆方的“四位女性”用于前景;正文另述门口较小的人物,不将全画人数限定为四。

2. Cleveland Museum of Art. Official collections API record.
- API artwork ID 148297. Confirms CC0, print-image URL and size listing, inscriptions “Te raau rahi” and “P Gauguin 91”, and museum metadata. Actual downloaded bytes and pixel dimensions are recorded in image_manifest.json.
- Catalogue bibliography was consulted only as a bibliography. No unread item concerning photography or Puvis de Chavannes is treated as proof of a model for this painting. No work-specific pigment, X-ray or layer report is claimed.
- The 1975 accession prefix and the record’s 1976 accession date are not used to infer an acquisition story; the essays give the accession number and credit line without assigning a donation year.

历史背景 / Historical context

3. Cindy Kang. Paul Gauguin (1848–1903). Heilbrunn Timeline of Art History, The Metropolitan Museum of Art, March 2011.
- Supports the limited contextual points used in the essay: the colonial pavilions of the 1889 Paris Exposition Universelle influenced Gauguin’s overseas expectations; his artistic ambitions remained directed towards the Parisian avant-garde.
- It also discusses the conjunction of decorative pattern and figuration in Gauguin’s Tahitian work. The present essay develops its own image-specific analysis.
- Its discussion of photographic sources for other paintings is not transferred to The Large Tree. No specific photograph, sitter identity, garment history or tree species is asserted here.

可选理论 / Optional theory

4. Han Qin (秦汉). SAE Judgment and Aesthetics — In Tribute to Kant / SAE 判断力与美学 · 致敬康德, second edition, 2026. DOI: 10.5281/zenodo.19296710. CC BY 4.0.
- The optional section uses §3.2, “The Internality of Context in Beauty / 美的背景内在性”, as a contemporary question about the viewer’s judgment.
- It compares the pictorial invitation to approach with the distance maintained by the figures’ orientation and occlusion. Colonial context informs the question of whether visual access amounts to understanding the people depicted; it is not presented as proof of a documented target audience for this painting. This painting-specific exercise is the essay’s application, not a claim made by the original SAE text.
- No numbered ray is assigned to the work, and no inference is made about the artist’s self-legislation, the figures’ inner states, or mutual recognition between them.

图像许可 / Image licensing

5. Cleveland Museum of Art. Open Access.
6. Creative Commons. CC0 1.0 Universal.

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Bildnachweise und Nutzung · 中文 / English

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图像来源与许可 / Image credits

作品 / Artwork

Paul Gauguin (1848–1903), The Large Tree, 1891. Inscribed Te raau rahi at lower left and signed P Gauguin 91 at lower right. Oil on canvas, 74 × 92.8 cm, unframed.

保罗·高更,《大树》,1891年。左下题字Te raau rahi,右下签名及年份P Gauguin 91。布面油画,未装框尺寸74 × 92.8厘米。

The Cleveland Museum of Art, Gift of Barbara Ginn Griesinger, accession 1975.263.

- Collection record / 馆藏记录
- Official image / 官方图像
- Museum open-access policy / 开放政策
- CC0 1.0 Universal

全图 / Full image

images/gauguin_large_tree_full.jpg

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两幅局部 / Two details

Coordinates use the full image’s top-left corner as (0, 0), with the right and bottom coordinates excluded, as in a standard pixel crop. Each detail is saved as PNG without resizing; decoded RGB pixels are checked against the corresponding master-image region. The embedded ICC bytes are unchanged.

坐标以全图左上为(0, 0),右端与下端坐标不包含在内。各裁切以PNG保存、不缩放,解码RGB像素逐一与原图相应区域比较;嵌入ICC字节保持一致。

1. images/detail_tree_shelter.png
- Crop: left 34, top 485, right 1836, bottom 2183
- Size: 1802 × 1698 pixels
- Purpose: the trunk’s branching, the canopy/roof overlap and the left seated pair remain together in one view.
- 用途:同框保留分叉树干、树冠与屋顶遮挡、左侧坐者,以核看庇荫怎样建立。

2. images/detail_roof_figures.png
- Crop: left 1462, top 458, right 2720, bottom 2264
- Size: 1258 × 1806 pixels
- Purpose: the roof’s leaf pattern, doorway figure, nearer red-clad figure and right-hand trunk can be compared across depth.
- 用途:比较屋顶叶组、门口人物、近处红衣立者与右树之间的层次和遮挡。

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Caption and alternative text / 图注与替代文字

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每篇正文均含三幅图的本地化图注与替代文字;localized_image_text.json另作登记,image_manifest.json记录尺寸、来源、裁切、ICC校验与SHA-256。