NON DUBITO · Filmessays
Inception lesen
Drei Essays führen von dem Gedanken, den Cobb Mal einpflanzt, zu einer künstlich herbeigeführten Versöhnung, durch die Fischer sich frei fühlt und gerade damit die Manipulation vollendet. Schließlich fragen sie, warum Cobb den noch immer drehenden Kreisel hinter sich lässt.
Inception erzeugt seine Schauwerte mit ineinander verschachtelten Träumen, sich faltenden Städten und einer Zeit, die sich dehnt und zusammenzieht. Seine tiefste Frage gilt jedoch der Urheberschaft: Wann ist ein Gedanke wirklich meiner? Ist meine Wahl noch frei, wenn ein anderer den gesamten emotionalen Weg entworfen hat, auf dem ich zu meinem Schluss gelange? Welche Gewissheit lässt sich noch von einem Instrument verlangen, das die Wirklichkeit prüfen soll, aber an genau den Eingriff gebunden ist, der sie zweifelhaft gemacht hat?
Die drei Essays verfolgen diese Frage an drei Figuren. Mal zeigt uns, wie eine Rettung die Voraussetzungen zerstören kann, unter denen ein Mensch sich selbst korrigiert. Fischer zeigt, warum eine gutwillig erscheinende Manipulation wirksamer sein kann als eine verletzende. Und wenn Cobb sich am Ende vom Kreisel zu seinen Kindern wendet, löst das nicht das ontologische Rätsel des Films. Es verändert aber, wovon er Gewissheit erwartet und wem er endlich seine Aufmerksamkeit geben will.
I · Der Gedanke, den er ihr einpflanzte
Cobb will Mal in die Wirklichkeit zurückholen. Dabei pflanzt er ihr einen Zweifel ein, der jede spätere Prüfung der Wirklichkeit verschlucken kann. Gute Absichten geben ihr die Urheberschaft über das eigene Urteil nicht zurück, die er ihr heimlich genommen hat.
II · Die sanfteste Variante wirkte am besten
Fischer fühlt sich durch eine inszenierte Versöhnung mit seinem Vater befreit und erlebt Saitos Befehl als seine eigene Entdeckung. Fürsorge kann eine Manipulation verbessern, aber keine Einwilligung ersetzen.
III · Er brauchte dem Kreisel nicht mehr zuzusehen
Das Ende beweist nicht, dass Cobb aufgewacht ist. Es lässt ihn ein längst mit Schuldgefühlen verstricktes Ritual der Vergewisserung hinter sich lassen und sich einer Beziehung zuwenden, an der er tatsächlich teilhaben kann.