Non Dubito
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NON DUBITO · Skulptur · Westliche Skulptur

Duchamp-Villons Pferd: Den Lauf im Körper bündeln

Das Pferd läuft nicht. Ringe, Stäbe und Rundungen bündeln seine Bewegung in weniger als einem halben Meter Bronze.

In diesem Essay

Schauen wir zuerst auf die gewölbte Fläche, die rechts oben im Bild nach vorn ragt.

Sie wölbt sich in der Höhe auf, senkt sich nach rechts allmählich ab und läuft in eine stumpfe Spitze aus. Darunter biegt sich eine schmalere Form nach unten, deren Ende einen kleinen runden Abschluss hat. Setzt man diese beiden Teile zusammen, erkennt man leicht ein Pferd mit gesenktem Kopf. Doch kaum will der Blick am Hals hinabwandern, stößt er auf eine Vertiefung, die eine runde Erhebung einfasst, und auf einen dicken Stab, der schräg nach unten führt.

Der Kopf ist noch da, doch der Körper beginnt wie eine Gruppe von Maschinenteilen auszusehen.

Raymond Duchamp-Villons Pferd in einer schrägen Seitenansicht als Ganzes. Die obere Wölbung der dunkelbraunen Bronze ragt nach rechts. Links umfasst ein dicker Bogen waagerechte Blöcke, rechts liegt in einem Rahmen eine runde Erhebung. Zwei lange schräge Formen laufen unten auf einem breiten, massiven Fuß zusammen.
Abb. 1. Raymond Duchamp-Villon, Pferd, 1914; diese Bronze möglicherweise 1921 gegossen. 43,2 × 45,4 × 34,6 cm, Gewicht 15,9 kg. Metropolitan Museum of Art, New York, Leonard A. Lauder Cubist Collection, Schenkung von Leonard A. Lauder, 2025, Inventarnummer 2025.616.7. Offenes Museumsbild, CC0. Dieser Essay verwendet ausschließlich diese eine Aufnahme dieses Gusses. SammlungseintragBilder auf der Werkseite des Museums ansehen ↗

Diese Skulptur breitet den Lauf nicht über eine lange Strecke aus. Sie drängt Knicke, Richtungswechsel und das Ausgreifen nach vorn in eine recht kompakte Gestalt. Unsere Augen folgen unterschiedlichen Richtungen. Je mehr wir versuchen, sie zu einem flüssigen Verlauf zu verbinden, desto stärker spüren wir eine im Inneren gesammelte, noch nicht entfaltete Kraft.

Damit öffnet sich auch ein Zugang zu ihrer Zeit. Anfang des 20. Jahrhunderts interessierten sich Künstler bei der Darstellung von Bewegung nicht mehr nur für eine einzelne Haltung, sondern auch dafür, wie sich fortlaufende Veränderung in einer Form organisieren ließ. In ihrer Erläuterung zu Duchamp-Villons Pferd beschreibt die Peggy Guggenheim Collection die Entwicklung von einer eher naturalistischen Darstellung zu einer Verbindung von Pferd und Maschine. Sie verknüpft die Anklänge an Kolben, Räder und Achsen mit dem Zeitalter neuer Technologien. Die Erläuterung bezieht sich auf einen anderen Guss. Hier dient sie als Hintergrund zur Werkidee; für Datierung, Maße und Oberfläche des konkreten Gegenstands bleibt das Exemplar im Metropolitan maßgeblich. Werkkommentar der Guggenheim Collection, Seite 16

1. Außen Pferd, innen Maschine

Folgen wir dem oberen Rand der Aufnahme von links nach rechts, verbinden mehrere große Wölbungen sich zu einer auf- und absteigenden Außenlinie. Sie verläuft keineswegs überall glatt: Nahe der Mitte trennt ein tiefer Knick zwei Volumen; ganz rechts zieht sie sich unvermittelt nach unten zusammen. Diese Kontur bewahrt die Richtung, in der Rücken, Hals und Kopf aneinander anschließen. So können wir die wenig naturgetreuen Teile vorläufig zu einem Pferd zusammenfügen.

Im Inneren ändert sich die Ordnung.

Links öffnet sich ein dicker Bogen zu uns hin. In ihm sitzen mehrere kurze, waagerecht vorspringende Blöcke. Unten am Bogen liegt eine annähernd kreisrunde Stirnfläche, an die sich eine lange, nach rechts unten verlaufende Form anschließt. Rechts steht ein eher viereckiger Rahmen mit gerundeten Ecken, ebenfalls mit einer runden Erhebung in der Mitte. Vor ihm zieht ein kräftiger Stab schräg nach links unten. Beide Seiten wiederholen nicht dieselbe Form. Doch auf beiden sehen wir ein Umschließen und Umschlossensein, einen rundlichen Kern und eine lange ausgreifende Form.

Diese Ähnlichkeit ist wichtig. Gäbe es nur einen Kreis, könnten wir ihn für eine beiläufige Verzierung halten. Weil auf beiden Seiten eine Kombination aus Umfassung, Mitte und schräger Verlängerung auftaucht, beginnt das Auge darin Teile zu lesen, die Bewegung untereinander weitergeben könnten. Der Eindruck einer Maschine bildet sich allmählich aus diesen Beziehungen; er entsteht nicht allein dadurch, dass Bronze metallisch aussieht.

Außen und innen lassen sich jedoch nicht sauber in zwei getrennte Systeme aufteilen. Der große Bogen links wirkt sowohl wie eine Hülle über dem Körper als auch wie der dicke Rand eines Rades. Die gewölbten Volumen oben helfen uns, das Tier zu erkennen, und setzen zugleich die klar abgesetzten, bauteilartigen Kanten fort. Das Pferd trägt keine Maschinenrüstung. Dieselben Formen stehen für zwei Arten des Sehens zur Verfügung und rücken das Zusammenziehen von Muskeln und das Zusammenwirken mechanischer Teile nahe aneinander.

So wird „Abstraktion“ zu etwas Konkretem. Die Veränderung besteht nicht nur darin, in welchem Maß Ohren, Augen oder Haare weggelassen wurden. Die Körperteile erscheinen in einer anderen Art der Verbindung miteinander. Wir suchen nicht mehr entlang der Haut nach jedem einzelnen Muskel, sondern folgen Wölbungen, Vertiefungen und stabförmigen Teilen, um herauszufinden, wohin die Bewegung führt.

2. Die Bögen führen den Blick zurück

Am dicken Bogen links liegen die hellsten Stellen am oberen Rand und auf der nach außen gerichteten Rundung. Weiter innen wird die Farbe rasch dunkler. Licht und Schatten machen seine Dicke sichtbar: Er ist keine auf die Oberfläche gezeichnete Kreislinie, sondern ein Volumen, das sich nach vorn wölbt und wieder nach innen biegt.

Der Blick folgt ihm nach unten, trifft auf die innen quer vorspringenden Blöcke und wird zur schrägen Leiste weitergeleitet. Der Bogen lässt uns keinen Kreis ungestört zu Ende ziehen. Immer wieder begegnen uns Abbrüche, Verdeckungen und andere Richtungen. Rechts geschieht etwas Ähnliches: Der rahmenartige Rand umgibt eine Mitte, doch der dicke Stab davor verbindet diese Mitte mit dem unteren Bereich. Kreisende und schräge Wege kreuzen sich.

Das Gefühl einer Drehung kommt also weder davon, dass die Skulptur sich tatsächlich dreht, noch davon, dass Bewegung auf dem Foto verwischt wäre. Die Konturen sind deutlich, die Kanten fest. Vielmehr wechselt unser Blick immer wieder zwischen Kurven und Geraden: am Bogen hinein, am Stab hinaus, dann trifft er auf ein weiteres gewölbtes Volumen.

Auch die Kreise sind hier nicht regelmäßig. Der Rahmen rechts ist etwas abgeflacht, seine Ecken fallen unterschiedlich aus. Die Breite des dicken Bogens links verändert sich mit seiner Ausrichtung; innen stehen zudem Blöcke im Weg. Diese Abweichungen erhalten die körperliche Dicke der Formen, statt sie in ein paar auf Papier vollständig zeichnbare Zeichen zu verwandeln. Ringe, kurze Blöcke und lange Leisten liegen auf verschiedenen räumlichen Ebenen. Ihre Richtungsverhältnisse werden immer erst durch Verdeckungen hindurch sichtbar.

Würde man das Pferd auf einen schwarzen Schattenriss reduzieren, verschwände ein großer Teil dieser inneren Beziehungen. Der nach rechts ragende Kopf bliebe ebenso erkennbar wie die unten zusammenlaufende Haltung. Wie die einzelnen Stellen einander in Bewegung zu versetzen scheinen, ließe sich dagegen kaum noch sehen. Für seinen dynamischen Eindruck braucht das Werk sowohl die Außenkontur als auch die dunkleren, nicht auf einen Blick erfassbaren Bereiche innerhalb dieser Kontur.

3. Die Verengung unten setzt den oberen Teil unter Spannung

Betrachten wir die beiden auffälligsten Schrägen.

Die lange Form links führt von der runden Stirnfläche nach rechts unten, der dicke Stab rechts vom höher liegenden Rahmen nach links unten. Im Foto laufen ihre Richtungen nach unten zusammen. Der dazwischen sichtbare graue Hintergrund macht klar: Diese Schrägen sind keine Einkerbungen in einer geschlossenen Masse. Es sind Formen, die einen Zwischenraum überspannen und zum unteren Bereich führen.

Dieser Zwischenraum leistet etwas Wichtiges für die Skulptur. Er verhindert, dass der obere Teil wie eine bis zum Boden durchgehende Metallmasse wirkt. Kopf, Hals und die seitlichen Wölbungen sind füllig, darunter verengt sich der Körper jedoch über die schrägen Teile. Das Volumen erscheint angehoben, während die Verbindungen straff wirken, als drängten mehrere Richtungen zugleich auf einen kleineren Bereich zu.

Weiter unten geht die breite, kräftige Schrägfläche links in den Fuß über, der sich nach rechts ausbreitet. Der große Bogen oben, die schrägen Leisten im Inneren und die flachere Auflage unten bilden drei unterschiedliche Rhythmen: zurückführen, zusammenziehen, ausbreiten. Endlich findet der Blick einen Ort, an dem er ruhen kann, und erinnert sich doch noch an die gegensätzlichen Richtungen darüber.

Für den Eindruck einer „gesammelten Kraft“ lässt sich hier also ein nachvollziehbarer Weg des Sehens angeben. Oben greifen die Formen aus, unten konzentrieren sich die Schrägen; ganz unten wird dieser verdichtete Bereich wieder an eine breitere Standfläche angeschlossen. Dadurch wirkt die Bewegung vorübergehend zurückgehalten. Wie das tatsächliche Gewicht durch die Bronze geleitet wird, ließe sich hingegen nur mit Angaben zur Konstruktion beantworten. Das Foto zeigt sichtbare Verbindungen und Raumverhältnisse, keinen Kräfteplan.

Das Werk ist 43,2 cm hoch und an seiner breitesten Stelle 45,4 cm breit. Es ist eine kompakte Skulptur, deren Verbindungen sich aus der Nähe einzeln betrachten lassen, kein monumentales Pferd in Lebensgröße. Auf einer vergrößerten Fotografie mögen die Schrägflächen und gewölbten Schalen wie Teile einer Industrieanlage erscheinen. Die Maße holen diese Vorstellung zu einem konkreten Gegenstand zurück. Viele Richtungen sind in weniger als einem halben Meter untergebracht. Die Kompaktheit selbst trägt dazu bei, dass wir die Energie als gebündelt empfinden. Maße und Gewicht

4. Die Bronze wird nicht zur makellosen Maschine

Die Bronze auf dieser Aufnahme ist nicht gleichmäßig schwarz. Zum Licht hin zeigt sie gelblich braune, helle Flächen; nach innen gewandte Partien wirken fast schwarzgrau. Über die breite Wölbung oben gehen Hell und Dunkel sanfter ineinander über, während an den Kanten des Rahmens rechts schmale Lichtstreifen aufblitzen. Durch diese Unterschiede treten weite Rundungen und härtere Begrenzungen jeweils auf ihre Weise hervor.

Bei näherem Hinsehen ist auch die Oberfläche nicht vollkommen eben. Im Rahmen rechts gibt es Unebenheiten, die Kanten der kurzen Blöcke links sind etwas unregelmäßig. Auf den größeren Flächen unten lassen sich Farbflecken und kleine unregelmäßige Spuren erkennen. Sie bestehen neben den vergleichsweise geraden Kanten einiger langer Teile. So bleibt zwischen der „Maschinen“-Anmutung des Werks und der tatsächlichen Oberfläche der Bronze vor uns stets ein Abstand.

Ringe, Stäbe und annähernd runde Stirnflächen können uns an Mechanik denken lassen. Eine Vorrichtung mit Spiel in den Lagern, die sich tatsächlich in Gang setzen ließe, sehen wir jedoch nicht. Die radartigen Teile gehören weiterhin zu einer einzigen Skulptur. Auch hat ihre Oberfläche nicht jede Unebenheit verloren, um ein Industrieprodukt darzustellen. So gesehen ist die Maschine nichts, als das sich das Werk am Ende ausgeben müsste. Sie liefert vielmehr eine Erfahrung von Formen, mit der sich der Pferdekörper neu organisieren lässt.

Auch bei der Datierung des Materials ist eine Unterscheidung nötig. Das Museum datiert das Werk auf 1914 und den vorliegenden Guss unter Vorbehalt auf 1921; der Künstler lebte von 1876 bis 1918. Die Zeit des Entwurfs und die Herstellungszeit der Bronze vor uns sind nicht dieselbe; auch diese Unsicherheit muss erhalten bleiben. Wir können nicht jede Unebenheit dieser Oberfläche als eine Spur ausgeben, die der Künstler 1914 eigenhändig hinterlassen habe. Aktueller Eintrag des Metropolitan

Diese Unterscheidung behindert das Betrachten nicht. Sie lässt uns dem Gegenstand genauer begegnen: Eine Formidee von 1914 kommt durch diese Bronze mit ihrer eigenen Datierung und Herkunft vor uns. Volumen, Farbe und Glanz, die wir sehen, gehören diesem konkreten Exemplar. Sie müssen nicht durch andere Güsse ergänzt werden.

Kehren wir nach rechts oben zurück. Die gewölbte Fläche, die uns anfangs den Pferdekopf erkennen ließ, ragt noch immer nach vorn. Doch sie drückt das „Vorwärts“ nicht länger für sich allein aus. Rahmen, schräge Stäbe, Zwischenräume und Fuß darunter verbinden dieses Ausgreifen mit der ganzen Skulptur. Ein Lauf muss nicht erst durch vier Beine entstehen, die jeweils eine eindeutige Haltung einnehmen. Hier wird die Bewegtheit des Tieres in Beziehungen zwischen Volumen umgeschrieben. Der Drang nach vorn tritt gerade aus einer Ordnung hervor, die sich von vielen Stellen aus nach innen zusammenzieht.

Optionale Lektüre: Zwei Strahlen, eine andere Frage und die Prüfung unserer Erwartungen

Sieht es nun wie ein Pferd aus oder wie eine Maschine?

Die Frage liegt nahe, kann das Betrachten aber zu früh in eine Abstimmung verwandeln. Wer den Kopf erkennt, entscheidet sich für das Pferd; wer Ringe und Stäbe sieht, für die Maschine. Beide Seiten finden Belege. Weiterzustreiten muss deshalb noch lange nicht dazu führen, dass wir mehr sehen.

Wir können die Frage vorläufig aufteilen: Welche Formen lassen uns ein Pferd erkennen, und welche Beziehungen vermitteln den Eindruck, dass sich hier Antriebskräfte organisieren? Die erste Frage lenkt den Blick auf den gesenkten Kopf rechts oben und die verbundene Rücken-Hals-Kontur. Die zweite führt ihn entlang der ringförmigen Partien beiderseits, der schrägen Leisten und der Verengung unten. Nun lässt sich erläutern, wie dieselbe Skulptur die Ausrichtung eines Körpers bewahrt und zugleich verändert, wie seine Teile aneinander anschließen.

Der Essay zum philosophischen Strahl von Non Dubito, „Das Haus ist noch nicht verkauft. Die Auseinandersetzung hat sich verändert“, behandelt genau dies: wie eine andere Fragestellung Gründe wieder unterscheidbar machen kann, die sich zuvor gegenseitig blockierten. Zugleich erinnert er daran, dass auch eine hilfreiche Unterscheidung revidierbar bleiben muss. Sie darf nicht erst einen Weg öffnen und den Gegenstand gleich darauf in zwei Spalten festschreiben. Essay zur Schönheit der Philosophie, auf Englisch

Am Pferd wird dieser Hinweis rasch nützlich. Würden wir die gesamte obere Außenkontur dem „Pferd“ und alle inneren Ringe und Stäbe der „Maschine“ zuordnen, übersähen wir den dicken Bogen links. Er erhält die Fülle des Körpers und lässt zugleich den Blick kreisen. Auch Kopf und Hals rechts oben helfen sowohl beim Erkennen des Tieres als auch durch ihre nach vorn abgesenkte Richtung bei der Organisation der Bewegtheit. Die Unterscheidung hat uns zum genauen Hinsehen gebracht. Nun verlangt dieses Hinsehen, beide Bereiche wieder überlappen zu lassen.

Damit gewinnen wir mehr als durch eine Debatte darüber, „zu wie viel Prozent“ es einem Pferd ähnelt. Das Erkennen einer Gestalt und die Beziehungen von Bewegungen lassen sich getrennt erörtern, ohne dass unbedingt verschiedene Teile dafür zuständig sein müssen. Der Wert der Frage liegt darin, diesen konkreten Sachverhalt besprechbar zu machen, nicht darin, der Skulptur einen vornehmeren Namen zu geben.

Der zweite Strahl fragt weiter: Wie viel von der Dynamik, die wir beschreiben, steckt bereits in unseren eigenen Erwartungen?

Wenn wir eine runde Stirnfläche mit einem angeschlossenen Stab sehen, erwarten wir vielleicht, dass sie sich dreht und einen anderen Teil schiebt oder zieht. Sehen wir den gesenkten Kopf und den zusammengezogenen unteren Bereich, erwarten wir vielleicht, dass das Pferd gleich losspringt. Beide Erwartungen stellen sich vor jeder tatsächlichen Bewegung ein. Die Skulptur setzt sich nicht in Gang.

Der Essay zum kognitiven Strahl, „Der Ton ist noch nicht erklungen, und du wartest schon“, handelt von genau dieser Struktur: Vergangene Erfahrung reicht in den nächsten Augenblick hinein. Die Erwartung kann sich auch nicht erfüllen und muss dann überprüft werden. Überraschung wird dabei nicht automatisch zu Schönheit, und persönliche Gewohnheiten werden nicht zu Regeln für alle erklärt. Essay zur Schönheit der Kognition, auf Englisch

Mit diesem Strahl können wir das Pferd genauer befragen: Welche Stelle lässt mich eigentlich eine Drehung erwarten? Ist es die runde Stirnfläche links, lohnt sich ein erneuter Blick darauf, wie sie an die schräge Leiste anschließt. Ist es die oben nach vorn abgesenkte Wölbung, kommt die Erwartung vielleicht eher aus der Vertrautheit mit tierischen Haltungen. Beide Erfahrungen treffen in demselben Werk aufeinander, müssen aber nicht für jeden Betrachter dasselbe Gewicht haben.

Der Gewinn der Skulptur liegt auch nicht bloß darin, eine Erwartung zu enttäuschen. Die runden Formen, schrägen Stäbe und die Gesamtgestalt mit gesenktem Kopf tragen die Bewegungsassoziationen weiterhin. Sie lösen sie nur nicht in ein abspielbares nächstes Bild ein. Revidieren müssen wir die Gewohnheit, diese Formen wie eine fertige Bewegungsanleitung zu behandeln. Sie können aufeinander antworten und Dynamik spürbar machen, ohne für jeden Teil vorzuschreiben, was zuerst bewegt wird und wie anschließend die Kraftübertragung erfolgt.

Die beiden Strahlen helfen uns bei unterschiedlichen Aufgaben. Der philosophische Strahl gibt dem „Woran erinnert es?“ und dem „Wie wird Bewegtheit organisiert?“ jeweils einen eigenen Platz in der Befragung und lässt beide danach wieder überlappen. Der kognitive Strahl macht den nächsten Schritt sichtbar, den die Betrachtenden mitbringen, und prüft, ob wir eine Erwartung fälschlich als Eigenschaft des Gegenstands festhalten. Diese unbewegte Bronze muss sich deshalb weder durch ein Anspringen beweisen noch das Bild des Pferdes opfern, um moderne Kraft zu gewinnen. In derselben Gruppe von Volumen lässt sie zwei uns bereits vertraute Bewegungserfahrungen immer wieder aufeinandertreffen.

Hinweise zu Bildern und Quellen

Dieser Essay betrachtet das Pferd im Metropolitan Museum of Art, Inventarnummer 2025.616.7, und verwendet ausschließlich eine offizielle schräge Seitenaufnahme des vollständigen Exemplars, 3774 × 4000 Pixel. Das JPEG bleibt im Zustand des offiziellen Downloads: nicht beschnitten, farblich verändert, neu komprimiert, ergänzt oder generiert. Bilder anderer Güsse, vergrößerter Fassungen oder nicht überprüfter Ansichten wurden nicht beigemischt. Der Essay beansprucht auch nicht, das Werk vor Ort von allen Seiten betrachtet zu haben.

Datierung, Material, Maße, Gewicht und Sammlungsangaben folgen dem aktuellen Sammlungseintrag des Metropolitan. Den Hintergrund zur Werkidee liefert die Diskussion eines anderen Gusses durch die Guggenheim Collection; die Gussdaten beider Exemplare werden nicht vermischt. Richtungsbeziehungen, gesammelte Kraft und Wege des Blicks sind hier vorgeschlagene, aus dem Foto entwickelte Lesarten. Bildherkunft und Lizenz stehen im Bildnachweis, die geprüften Quellen im Quellenverzeichnis.

Quellen (auf Englisch)

English

Met 2025.616.7, bronze, conceived 1914 and probably cast in 1921, 43.2 × 45.4 × 34.6 cm. Do not transfer dates or surface observations from other casts to this object.

The linked institutional records supply identification and historical context. The close reading and optional SAE connections are the essay’s interpretation, not claims attributed to the artist.

1. www.metmuseum.org

2. www.guggenheim-venice.it

3. nondubito.net

4. nondubito.net

Bildnachweise und Nutzung (auf Englisch)

Die Website enthält WebP-Bilder in einer für die Lektüre geeigneten Größe, auch Details und weitere Ansichten. Ein Klick öffnet die Werkseite des Museums; die Originaldateien in voller Auflösung werden hier nicht bereitgestellt. Maße, Dateinamen, Ausschnittkoordinaten und Prüfsummen unten dokumentieren die archivierten Quelldateien, nicht die Webvorschaubilder.

English

One museum photograph of Met 2025.616.7, Public Domain / CC0.

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1. www.metmuseum.org

2. images.metmuseum.org