
Am unteren Bildrand führt ein schmaler Wasserkanal zwischen zwei Säulen hindurch zum Löwenbrunnen im Hof. Die Säulenbasen stehen links und rechts auseinander, die Schäfte steigen senkrecht auf, während der Kanal am Boden weiterführt. Vorn liegt ein überdachter Umgang, in der Mitte der offene Hof, in der Ferne ein Pavillon mit vorspringendem Dach. Der Kanal verbindet diese Entfernungen auf einer einzigen Linie. Offizielle Aufnahme
Der Brunnen fällt auf, ist aber nicht so groß, dass er die Architektur dahinter verdeckt. Sein Beckenrand liegt quer vor der Mitte der Säulenschäfte, zwölf Steinlöwen umgeben den unteren Bereich, und die entfernten Öffnungen bleiben darüber sichtbar. Das Auge kann bei den Löwen verweilen oder über sie hinweg weiterverfolgen, wohin der Kanal führt.
Gerade in dieser Anordnung liegt die Besonderheit des Löwenpalasts: Der Hof ist nicht bloß eine freie Fläche vor mehreren prächtigen Sälen. Der Säulengang gibt ihnen eine gemeinsame Vorderzone. Die Wasserkanäle durchqueren diese Zone und verbinden kleine Becken im Inneren der Säle, Brunnen unter den Umgängen und den großen Hofbrunnen miteinander. Jeder Ort besitzt eine eigene Form und Mitte. Die Verbindung macht sie nicht zu derselben Art von Raum.
Der Palast liegt in der Alhambra, der Palaststadt im heutigen Granada in Spanien. Er entstand während der zweiten Regierungszeit des Nasridensultans Muhammad V., von 1362 bis 1391. Er gehört zur Tradition der islamischen Hofarchitektur von al-Andalus auf der Iberischen Halbinsel. Betrachtet werden hier der Löwenhof und seine angrenzenden Säle, nicht die gesamte Alhambra. Reliefschmuck, Wasserwege und Bodenbeläge auf heutigen Fotos haben eine lange Pflegegeschichte. Auch der Marmorboden des Hofs und das Brunnensystem enthalten die Ergebnisse der 2012 abgeschlossenen Restaurierung. Architekturbeschreibung der Verwaltungsbehörde; Erläuterung der Restaurierung von 2012
Der Säulengang hat eine eigene Tiefe
Eine weitere Frontalaufnahme zeigt die nahen Kapitelle und den Schmuck über den Bögen deutlicher. Die schlanken Schäfte weiten sich oben zu breiteren quadratischen Kapitellen; darüber erheben sich vertikale Bauteile mit reichem Reliefschmuck. Bogenförmige Öffnungen und dichte Muster verbinden diese Teile. Unten stehen die Säulen einzeln, oben fügen sie sich zu einem zusammenhängenden Feld. Nahe den Kapitellen treffen die beiden Maßstäbe aufeinander. Das Verhältnis von Kapitellen und Arkade
Man sollte sie nicht nur als dekorative Borte verstehen, die an den vier Hofseiten hängt. Links und rechts im Foto überlagern sich Säulen: Manche stehen paarweise dicht nebeneinander, andere sind in der Tiefe versetzt. Durch einen Zwischenraum blickend, trifft man häufig auf die nächste Säule. Der Hofrand erhält dadurch Tiefe. Man kann ihm entlanggehen, ihn aber auch durchqueren und in den Hof blicken.
Eine Schrägaufnahme im Bildungsheft der Verwaltung zeigt das besonders deutlich. Eine nahe Säulengruppe besetzt die Bildmitte, dahinter steht eine weitere, erst in der Ferne folgt die gegenüberliegende Wand des Umgangs. Zwischen den Gruppen bleiben unterschiedlich breite Lücken; auch der Schmuck über dem Kopf ändert an der Ecke seine Richtung. Wer alle Säulen nur „schlank“ nennt, übersieht, wie sie sich zusammenfinden und wieder auseinandergehen. Schrägaufnahme des Säulengangs, gedruckte Seite 64, PDF-Seite 66
An den östlichen und westlichen Hofenden vergrößert sich diese Tiefe weiter. Zwei Pavillons treten aus den umgebenden Gängen in den Hof vor. Sie besitzen eigene Dächer; ihre Vorder- und Seitenflächen bestehen aus Öffnungen zwischen Säulen. So bleiben die langen Hofseiten durchgehend, während die kurzen einen Schritt zur Mitte machen. Die Pavillons schließen sich nicht zu unabhängigen Zimmern. Durch ihre seitlichen Öffnungen bleiben die umlaufenden Gänge angeschlossen. Seitenansicht eines Pavillons, gedruckte Seite 58, PDF-Seite 60
Von hier aus betrachtet, liegt der Wert des Säulengangs nicht darin, möglichst durchsichtig zu sein. Säulen, Kapitelle und Wandflächen über den Bögen verdecken beträchtliche Teile und lassen zugleich genügend Durchblicke frei. Die Pavillonfront kann sich konzentriert auf den Brunnen richten, während die Seiten den Blick wieder nach links und rechts weitergeben. Mitte und Rand sind nicht durch eine völlig ungehinderte Freifläche verbunden, sondern durch Zwischenräume mit Richtung und Tiefe.
Die vier Linien enden nicht auf dieselbe Weise
Ein auf etwa 1929 datierter Grundriss im Archiv der Alhambra zeigt den Hof zusammen mit den umgebenden Sälen. Als spätere Bauaufnahme eignet er sich zur Überprüfung der Lagebeziehungen. Am mittleren Brunnen kreuzen sich zwei rechtwinklige Achsen. Folgt man der Längsachse nach Osten oder Westen, gelangt man durch die beiden vortretenden Pavillons. Entlang der kurzen Achse nach Norden oder Süden durchquert man die Umgänge und erreicht zwei quadratische Säle. Offizieller Archivplan mit Zeichnungsbeschreibung

Die vier Richtungen zeigen also nicht viermal genau dieselbe Anordnung.
Auf diesem Archivplan liegt oben der Saal der Zwei Schwestern, unten der Saal der Abencerrajes. Beide haben einen quadratischen Hauptraum als Kern, an den seitlich kleinere Räume anschließen. Links liegt der längliche Muqarnas-Saal. Rechts erstreckt sich auch der Saal der Könige entlang der kurzen Hofseite; sein Inneres wird jedoch durch eine Folge querliegender Trennungen in verschiedene Abschnitte gegliedert, hinter denen weitere kleine Räume anschließen. Die Architektur um den Hof wiederholt nicht viermal dasselbe Formenschema.
Diese Unterschiede hängen auch mit der Organisation des höfischen Lebens zusammen. Die Verwaltung beschreibt den Palast als zwei Wohneinheiten im Norden und Süden sowie zwei weitere Bereiche, die auch Empfangszwecken dienten. Der Saal der Könige wird besonders mit Gesprächen, Audienzen und Festlichkeiten verbunden. Sein langgestreckter Grundriss umfasst eine Folge verbundener kleiner Räume; die Kombination aus Haupt- und Nebenräumen bietet im Norden und Süden eine andere Möglichkeit, Tätigkeiten unterzubringen. Der Hof verbindet sie, die Umgänge führen entlang des Rands durch. Die einzelnen Zimmer behalten dabei eigene Eingänge und Orte zum Verweilen im Inneren. Offizielle Beschreibung des Saals der Könige; Erläuterung der Palastanlage
Auf Fotos vermitteln der durchgehende Säulengang und die ähnliche Ausstattung zunächst einen geschlossenen Gesamteindruck. Der Grundriss entfaltet diesen Eindruck: Hinter ähnlichen Vorderzonen konzentrieren sich manche Räume in die Tiefe, andere breiten sich seitlich am Rand aus. Der Säulengang stimmt sie aufeinander ab, ohne ihre jeweiligen Anordnungen zu tilgen.
Besonders die Wasserkanäle lohnen es, ihrem Verlauf zu folgen. Ein offizielles Schema markiert das Wasser blau. Es durchquert den offenen Hof, den Säulengang und die Türen bis zu den Becken in den nördlichen und südlichen Sälen. Auf der Längsachse führt die Wasserlinie durch die kleinen Brunnen der Pavillons. Durchgehende Linien am Boden und Gliederungen in der Architektur darüber bestehen hier zugleich. Der Wasserweg kann die vom Dachrand gezogene Grenze überschreiten, während Wände und Türen die Räume weiterhin trennen. In diesem Schema liegt Norden am linken Blattrand; anhand der Saalnamen lässt es sich mit dem Archivplan vergleichen. Offizielles Grundrissschema, gedruckte Seite 53, PDF-Seite 55
Deshalb lässt sich die Anlage auch nicht auf ein hübsches Kreuzmuster verkürzen. Ein Kreuz auf Papier braucht nur einen Schnittpunkt und vier Arme. Im Palast verlaufen diese Linien jedoch an unterschiedlichen Stellen an Säulenfüßen, Türen, kleinen Becken und dem großen Brunnen vorbei. Jeder Anschluss verändert den Raum um die Linie. Die Instandsetzung der Wasserwege von 2011 betraf Versorgungsleitungen und offene Bodenrinnen im Hof, in den Umgängen, in beiden Pavillons und in den nördlichen und südlichen Sälen. Dies ist ein tatsächlich arbeitendes System, das gepflegt werden muss. Offizieller Bericht zur Instandsetzung der Wasserwege
Die Säle führen die Verbindungen am Boden nach oben weiter
Auf einer Innenaufnahme des Saals der Abencerrajes liegt das kleine Wasserbecken tief; sein zwölfeckiger Rand hebt sich nur wenig vom Boden. Dahinter öffnet sich ein Nebenraum durch zwei Bögen mit einer einzigen schlanken Säule dazwischen. Das Becken liegt in der Mitte des Hauptraums, der Doppelbogen lenkt den Blick jedoch seitwärts. Der Raum hat sowohl einen zentralen Ort als auch eine von dort ausgehende seitliche Tiefe. Wasserbecken und Nebenraum, gedruckte Seite 66, PDF-Seite 68

Hier zeigt sich ein deutlicher Unterschied zum Hofbrunnen. Das große Becken draußen scheint von einem Löwenring getragen zu werden; tatsächlich trägt es der mittlere Pfeiler, in dem auch das Zuleitungsrohr verborgen ist. Das kleine Innenbecken liegt dagegen nahe am Boden, umgeben von Wänden, Nebenräumen und einem hohen Raumabschluss. Beide stehen in der Mitte, doch Maßstab und Hintergrund des Beckens haben sich verändert. Offizielle Unterlagen zur Brunnenrestaurierung
Der Saal der Abencerrajes liegt etwas höher als der Hof und öffnet sich mit einer breiten Tür zu ihm. Ein offizielles Foto blickt von unten in den oberen Saalbereich. Zu sehen sind hohe Fenster, senkrechte Wandflächen und Muqarnas-Schmuck, der Schicht für Schicht nach innen vorspringt. Muqarnas werden häufig als Waben- oder Stalaktitendekor bezeichnet; diese Wörter treffen den Eindruck ihres dichten Reliefs. Genauer betrachtet verbinden sich zahlreiche kleine Nischen, Kuppelflächen und Kanten zu einer achtzackigen sternförmigen Überdeckung über dem quadratischen Saal. Aufnahme des oberen Saalbereichs; offizielle Saalbeschreibung
Die Verbindung zwischen dem nördlichen und dem südlichen Saal besteht nicht nur im Grundriss. Das Bildungsheft zeigt auch eine Aufnahme aus dem Saal der Abencerrajes in Richtung Hof. Vorn ist die Türöffnung dunkel, darunter führt der Wasserkanal hinaus. Im Hellen erscheint der Löwenbrunnen, weiter entfernt der Eingang zum Saal der Zwei Schwestern. Eine Folge von Öffnungen liegt auf einer Linie, ohne zu einer einzigen Tür zu verschmelzen. Nahe Tür, Hof und ferne Tür behalten ihre eigenen Ränder; der Kanal verbindet die Entfernungen dazwischen. Nord-Süd-Verbindung der Säle, gedruckte Seite 68, PDF-Seite 70

Am Eingang des Saals der Abencerrajes sind außerdem restaurierte hölzerne Türflügel erhalten. Erst die geöffneten Türen ermöglichen den weiten Gegenblick auf dem Foto. Geschlossen können sie den Saal für sich umfassen. Die Kontinuität des Kanals und die Schließbarkeit der Tür sind zwei unterschiedliche Anordnungen, die nebeneinander bestehen können. Der Hofbrunnen ist deshalb keine Mitte, die verlangt, dass alle Zimmer ihr ständig offenliegen. Umgänge und Türen lassen den Sälen ihre eigenen Grenzen.
Auch der Saal der Zwei Schwestern hat ein mittleres Becken, dessen Wasser über eine Rinne mit dem Hof verbunden ist. Oben entfaltet sich jedoch eine andere dichte Muqarnas-Anordnung. In der offiziellen Nahaufnahme liegen blaugrüne, rotbraune und helle Blüten- und Blattmuster in einzelnen Vertiefungen und Rahmen. Die Muster folgen den Konturen der kleinen Einheiten, die wiederum in verschiedene Richtungen zeigen. Wendungen der Bemalung und Wendungen der Oberfläche greifen ineinander. Nahaufnahme der Decke im Saal der Zwei Schwestern
Eine vollständigere Aufnahme nach oben zeigt hohe Fenster rund um den unteren Kuppelrand. Über ihnen häufen sich die kleinen Einheiten bis zur Spitze. Muster, die im Ausschnitt das gesamte Bild zu füllen schienen, sind hier nur ein kleiner Teil der Überdeckung. Ihr Maßstab verändert sich fortwährend. Das Auge kann in einer Vertiefung verweilen, wird von ihr aber auch wieder zur gesamten Decke zurückgeführt. Blick nach oben im Saal der Zwei Schwestern, gedruckte Seite 74, PDF-Seite 76
Die Linien des Hofs setzen sich waagerecht am Boden fort, der Schmuck der Säle sammelt die Aufmerksamkeit nach oben. Einen Saal zu betreten heißt, einen weiteren Raum mit eigener Mitte zu erreichen; unten bleibt das mit dem Hof verbundene Wasserbecken. Der Palast kann seine Säle gerade deshalb zu einem Ganzen verbinden, weil Verbindung nicht überall dieselbe Offenheit und Überdeckung verlangt.
Auch der Brunnen hat eine eigene Stimme
Mit „Stimme“ sind hier zunächst die in Stein gehauenen Worte gemeint. Der Rand des Löwenbrunnens trägt ein Gedicht von Ibn Zamrak, einem Dichter am Hof Muhammads V. Es preist den Sultan und beschreibt zugleich Material und Wasser des Brunnens. Die von der Verwaltung veröffentlichte spanische Übersetzung vergleicht fließendes Wasser mit flüssigem Silber. Den ähnlichen Glanz von Becken und Wasser beschreibt sie als ein Bild, in dem Bewegung und Ruhe kaum auseinanderzuhalten sind. Anschließend verbindet sie das zu den Löwen fließende Wasser mit den Gunstbeweisen eines Herrschers für seine Krieger. Offizielle Erläuterung des Gedichts; arabischer Originaltext und spanische Übersetzung, PDF-Seite 4
Das macht die Bedeutung des Brunnens genauer. Er gehört zu einem islamischen Palast mit Herrscher, Hofdichtern und politischem Zeremoniell. Die Löwen umgeben den Beckensockel, Wasser fließt aus ihren Mäulern, und die Schrift am Rand nimmt diese Gruppe in das Lob des Sultans auf. Wasser besitzt hier Leitungen und Durchflussmengen; zugleich geht es in die Sprache ein, mit der sich der Hof selbst darstellt.
Das Gedicht lässt Stein und Wasser jedoch nicht wirklich ununterscheidbar werden. Auf dem daneben veröffentlichten Foto aus niedrigem Blickwinkel weisen die beiden Ränder eines Kanals direkt zum Brunnen. Die Vorderbeine der Steinlöwen stehen klar sichtbar, dünne Wasserstrahlen biegen sich an ihren Mäulern nach unten, der breite Beckenrand bleibt waagerecht. Die vom Gedicht hergestellten Ähnlichkeiten lassen sich gerade zusammen mit diesen sichtbaren Unterschieden lesen: Wasser kann fließen, seine Form ändern und anderes spiegeln; der Stein gibt ihm Becken, Mündungen und Wege.
So betrachtet ist der zentrale Brunnen mehr als eine Skulptur, die der Hof ringsum bestaunt. Beckenrand, Löwenmäuler und Bodenrinnen ordnen das Wasser auf verschiedenen Höhen an. Die umgebenden Pavillons und Säle führen diese Anordnung weiter in die Architektur. Folgt man einem Kanal von den Löwen weg unter einen Umgang oder zu einer Tür, bleibt die Mitte mit diesen Orten verbunden. Drinnen übernimmt ein niedrigeres, kleineres Becken diese Verbindung, während sich oben bereits eine andere fein gegliederte Decke entfaltet.
Optionale Begleitlektüre | Wie lässt sich „Tragen“ sehen?
Han Qins „Naming the Stars Does Not Finish the Sky“ (englischer Essay) untersucht, wie mehrere begründete Beschreibungen zugleich gelten können, ohne einer von ihnen die Macht zu geben, alles zu erklären. Der Löwenbrunnen ermöglicht einen kleinen, eindeutigen Vergleich: Wie treffen tatsächliches Tragen, ein sichtbares Bild des Tragens und dichterische Metapher an demselben Gegenstand zusammen?
Öffnen wir zunächst die Aufnahme des vollständigen Brunnens. Die Vorderbeine der Löwen stehen aufrecht, ihre Körper weisen unter das Becken, die Köpfe ragen nach außen, und der breite Beckenrand schließt sich hinter ihnen zum Ring. Der Eindruck, die „Löwen tragen das Becken“, entsteht aus dem Zusammentreffen dieser Teile.

Betrachten wir dann die offizielle Restaurierungsaufnahme nach der Entfernung der Löwenfiguren. Das Becken bleibt an seinem Platz; darunter liegt der kurze, kräftige Mittelpfeiler frei, umgeben von einer provisorischen Arbeitsplattform. Das stimmt mit der in den Restaurierungsunterlagen beschriebenen Tragkonstruktion überein. Das erste Urteil darüber, wer tatsächlich das Gewicht des Beckens aufnimmt, muss hier korrigiert werden.

Was hat sich verändert, wenn wir zum vollständigen Brunnen zurückkehren? Nun können wir zwischen den Löwen nach dem Mittelpfeiler suchen. Doch die Anordnung von Vorderbeinen, Rücken und Beckenrand bleibt klar erkennbar. Ist die tatsächliche Stütze erkannt, müssen die ringförmig versammelten Tiere nicht bloß als überflüssige Verdeckung übrig bleiben. Der Mittelpfeiler tritt hinter die Löwen zurück; außen unter dem Beckenrand entfalten sich zwölf nach allen Seiten gerichtete Gestalten. Vergleicht das Gedicht diese Löwen mit den Kriegern des Herrschers, erhält der Ring von Ausrichtungen eine schriftlich begründete höfische Bedeutung.
Die Schönheit des Chaos in SAE (Self-as-an-End) meint hier keine Unordnung und verlangt nicht, auf Genauigkeit zu verzichten. Man kann getrennt fragen: Was nimmt das Gewicht auf, was scheint das Becken zu tragen, und wie deutet das Gedicht diesen Ring von Tieren? Der Mittelpfeiler beantwortet die erste Frage. Das Verhältnis von Löwenrücken und Beckenrand sowie das Gedicht am Becken bleiben dennoch betrachtenswert. Das Auge kann die innen verborgene Stütze erkennen und zugleich außen von einem nach außen gewandten Gesicht zum nächsten wandern.
Bilder und Quellen
Dieser Text beruht auf der genauen Betrachtung von Fotos auf der Website der Verwaltung, Bildern aus ihrem offiziellen Bildungsheft und einem Archivgrundriss. Er ist kein Besuchsbericht. Die Architekturquellen und Bilder verlinken sämtlich zur Alhambra-Verwaltung, die optionale SAE-Begleitlektüre zur Website des Autors.
- Die frontale Hofaufnahme zeigt den restaurierten Marmorboden. Auf Pavillonfotos im Bildungsheft ist noch ein älterer, kiesähnlicher Hofbelag zu sehen. Die Bilder gehören verschiedenen Phasen an; hier dienen sie zum Vergleich der Säulenstellungen, nicht dazu, den Boden als unveränderten mittelalterlichen Originalzustand zu behandeln. Die offizielle Baubeschreibung weist weiterhin auf die Diskussion hin, ob die ursprünglichen vier Hoffelder gepflastert oder bepflanzt waren.
- Der auf etwa 1929 datierte Grundriss dient zur Prüfung des Verhältnisses von Hof, Pavillons und Sälen. Das farbige Schema hebt die Lage der Wasserwege hervor; es gibt nicht für jeden Abschnitt und jeden Zeitpunkt die Fließrichtung an.
- Teile des Stuckschmucks im Saal der Abencerrajes wurden im sechzehnten Jahrhundert umfassend überarbeitet, auch der Fliesensockel enthält spätere Bestandteile. Die Nahaufnahme der Bemalung im Saal der Zwei Schwestern zeigt die erhaltene Oberfläche; daraus lassen sich nicht die ursprünglichen Farben des gesamten Palasts rekonstruieren.
- Die Darstellung des Brunnengedichts gibt den Inhalt anhand des offiziell veröffentlichten Originals und der spanischen Übersetzung von José Miguel Puerta Vílchez wieder. Die dichterischen Metaphern werden nicht als Erläuterung der wassertechnischen Konstruktion behandelt.