Nach einem Wort für ein ganzes Leben gefragt, nennt Konfuzius vielleicht Gegenseitigkeit: anderen nicht auferlegen, was man selbst nicht will. Er wählt nicht die positive goldene Regel, nach der man anderen geben soll, was man selbst begehrt.
Mein Wunsch ist nicht notwendig der Wunsch des anderen. Gerade Wohlwollen verdeckt den Unterschied. Liebe, Bildung, Erlösung und Ordnung können das Feld füllen, in dem der andere urteilen und ablehnen sollte. Die negative Form bestimmt seinen Lebensinhalt nicht vorweg.
Ein Verbot erzeugt noch keine gute Beziehung; Helfen, Geben und gemeinsames Bauen bleiben nötig. Aber die Reihenfolge zählt. Bevor wir wählen, was wir bringen, bestimmen wir, was wir ohne Zustimmung nicht hineintragen. Erst in diesem freien Raum kann ein Geschenk gemeinsam werden.
Eigenständige deutsche Neufassung auf Grundlage der chinesischen und englischen Edition. Die ausführliche Argumentation steht in der Forschungsedition am Ende der Reihe.